Jaroslav Plotnikov

Lasse den Vermieter dir die Wohnung anbieten – Erfahrung eines Ausländers über die Wohnungssuche in Berlin – TEIL 1

Einen Gesuch inserieren und warten bis man dich kontaktiert? Ist es nicht besser, selber Anzeigen zu beantworten? Vielleicht. Bei mir allerdings haben sich die Suchanzeigen als einzig effektive Strategie erwiesen. In diesem Artikel erzähle ich wie ich zur diesen Erkenntnis gekommen bin. 

Bild: Morgenpost

Erlauben Sie mir zunächst, lieber Leser, meine Geschichte kurz zu erzählen. Ich bin in Südrussland geboren und aufgewachsen. Zwischen 2000 und 2007 studierte ich Interkulturelle Bildung (Migration) an der Universität Oldenburg. 2007 zog ich nach Bremen, dann nach Berlin. In Berlin wohne ich seit 2009, zuerst in Prenzlauer Berg, letzte Jahre in Neukölln (das sind Berliner Stadtteile). Die Wohnungen wo ich wohnte, fast alle lagen in schönen zentralen Gegenden – anfangs in Prenzlauer Berg, die letzten Jahre – in Neukölln. Einige waren möbliert, andere nicht. Alle diese Wohnungen waren günstig – ich habe nie über €450 bezahlt. Oft war es nicht die ganze Wohnung, sondern nur ein Zimmer. 

Bis heute, innerhalb von letzten acht Jahren habe ich 10 Wohnungen gewechselt. Fünfmal habe ich die durch Internet per Suchanzeigen gefunden. Die restlichen Wohnungen, meistens in Neukölln habe ich durch Freunde und Bekannte gefunden. 

Warum bin ich so viel umgezogen? Weil ich so gerne verreise, und zwar auf längere Zeit und weit weg – nach Indien, Thailand, Australien, in die Philippinen. Leider ist die Untervermietung in Deutschland relativ problematisch. Deswegen musste ich jedesmal komplett ausziehen.

 

Meine erste Berliner Wohnung (in der Choriner Strasse) habe ich auf eine mysteriöse Weise gefunden. Dort wohnte ich zirka eine Jahr. Danach habe ich den ganzen Winter in Süd Indien (Tarkarli Beach nähe Goa) verbracht. Im Sommer 2011 kehrte ich nach Berlin zurück. Die Wohnung in der Choriner Str. war also weg. Ich musste die Unterkunftssuche vom vorne anfangen.

Menschen um mich herum haben bereits damals gemeckert dass es in Berlin beinahe unmöglich wäre, eine gute Wohnung zur adäquaten Mietpreis zu finden. Ich hatte jedoch keine andere Wahl. Ich wollte in keiner anderen deutschen Stadt wohnen. Nur in Berlin. Ich habe naiv gedacht, dass ich mir einfach mehr Mühe geben muss, und früher oder später findet sich etwas. So habe ich angefangen fleißig zu suchen.

Wie suchen richtige Deutschen eine Wohnung? Ein “richtiger Deutsche” kündigt in seinem Bekanntenkreis an, dass er sich ein neues zuhause wünsche. Meistens weiß er über die gesuchte Wohnung nichts genaues zu sagen, nur dass die zur angemessenen Preis und ruhig sein müsse. Und nicht am AdW natürlich. Ergänzend zu Befragungen unter Freunden schaut man in eine Zeitung bzw. ins Internet und beantwortet die gut aussehende Wohnungsangebote.

Genauso habe ich auch gemacht. Aus Gründen vermutlicher Effizienz habe ich auf die Anzeigen in Zeitungen völlig ignoriert und fast ausschließlich mich auf die Internetsuche fokussiert. Freunde hatte ich damals in Berlin nur ganz wenige. Aus dieser Richtung erwartete ich nicht viel.

 

Im Google habe ich etwas wie “suche Wohnung in Berlin” eingegeben. Danach habe ich mich bei allen Suchportalen registrieren lassen, die auf der ersten Google-Seite rauskamen. Täglich scannte ich die frischen Angebote. Manchmal auch die älteren. Ich suchte kreuz und quer durch Prenzlauer Berg. Ich fühlte mich in diesem Stadtteil sehr wohl und mochte dort auch weiter bleiben.

Da ich viele Anfragen gesendet habe, kamen natürlich auch die Antworten. Es ist mir aufgefallen, dass fast alle Vermieter wollten nicht keinen “unter vier Augen” Treffen wollten. Anstattdessen war ich mehrmals zum einer Besichtigung mit bereits festgelegten Datum und Zeit eingeladen. Wahrscheinlich hatten Vermieter so viele Anfragen, dass sie um die Zeit zu sparen, ihre Immobilie nicht einzelnen sondern mehreren Interessierten auf einmal zeigen wollten?

Als ich mich zum ersten Termin in der Stargarder Straße kam und bereits vom weiten eine Menschenansammlung sah, erhob sich langsam in meinem Magen ein flaues Gefühl.

Diese Menschenmenge, vielleicht um zwanzig Personen, waren alle wegen der gleichen Besichtigung da. Wir alle waren pünktlich zur genannten Zeit gekommen. Wir unterhielten uns, meistens witzelten wir über die Wohnung und Vermieter. Es waren überwiegend Deutsche und “reiche” Ausländer – Amerikaner, Franzosen, Kanadier. Die meisten hatten entweder Arbeitsverträge oder Stipendien Bescheinigungen. Oder Bürgschaften von Eltern über sichere monatliche Zahlungsmöglichkeit. Mir wurde klar, wie schlecht meine Chancen standen.

Die Fortsetzung folgt bald.

 

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