Jaroslav Plotnikov

Lasse den Vermieter dir die Wohnung anbieten – Erfahrung eines Ausländers über die Wohnungssuche in Berlin – TEIL 2

 

 

Bald habe ich aufgegeben. Nicht die Wohnungssuche selbst sondern zu diesen Massenbesichtigungen zu kommen. Sie brachten mich in die schlechte Laune. Ich habe begriffen, dass ich mit anderen Mitbewerbern einfach nicht konkurrieren kann. Die Grunde waren gut nachvollziehbar.

Erstens,  mein Vor- und Nachname, Jaroslav Plotnikov, klang so ausländisch, dass beinahe jeder ihn nur mühsam ausspricht, zumindest zum ersten mal. Diesen Namen einzuprägen ist eine Herausforderung in sich. 🙂

Zweitens, meine Beschäftigung klang nicht nach einem gut bezahlten Beruf – Interkultureller Pädagoge und Übersetzer.

Drittens, hatte ich nie einen unbefristeten Arbeitsvertrag. Bis heute arbeite ich selbstständig. Das bedeutet, zumindest in Augen des Vermieters, dass bei mir keine Sicherheit in der Mietzahlung gäbe. “In diesem Monat verdient er gut, im nächsten Monat vielleicht nicht so gut… In einem anderen Monat weißt man überhaupt nicht, ob dieser Jaroslav seine Miete zahlen kann…” – so dachte möglicherweise einige Vermieter über mich.

Trotz des gewissen inneren Skepsis habe ich mich entschieden mit Suchanzeigen zu experimentieren.

Da ich mich für NLP ein bisschen interessierte und zehn Jahren Studium an zwei Universitäten (in Germanistik und Interkultureller Pädagogik) hinter sich hatte, konnte ich ein paar Texte über mich zusammenzufassen. Ich wollte meine Vorteile möglichst hervorheben und versuchen meine Nachteile möglichst verbergen.

Es hat hat geklappt – einige Vermieter haben mich zum persönlichen Besichtigung eingeladen und innerhalb einer Woche fand ein großes helles Zimmer in einer schönen Wohnung in der Brüsseler Strasse. Die Besitzerin war eine Sozialpädagogin mittleres Alters. Diese Dame erklärte mir, dass sie sich vor den Arbeitskollegen schämte zu gestehen, dass sie zwei Zimmer in ihrer geräumigen 5-Zimmer Wohnung an Studenten und die Sprachschüler aus aller Welt untervermietet. Vielleicht waren in der Wirklichkeit andere Gründe aber es war mir egal. Die Preis war ein bisschen zu hoch, passte aber noch in meinen Budget, die Wohnung war gemütlich und das Zimmer war groß und hell. Ausserdem, konnte ich jetzt ohne Eile eine richtige Wohnung zu suchen. Also zog ich schnell ein.

Während meines Aufenthalts in Indien (im Winter 2010/11) habe ich das russischsprachiges Videoblog über Studium in Deutschland. Es war nicht schwer: ich bin selbst aus Russland nach Deutschland ohne irgendwelche Agentur gekommen. Das Studium in Deutschland ist kostenlos und internationale Studenten sind bis heute willkommen.

Nach zirka einem halben Jahr kamen die ersten Anfragen. Junge Menschen, meistens Studierende waren bereit mir ein bisschen zu zahlen, damit ich für sie eine günstige Sprachschule und Unterkunft finde. Meine Beratungen entwickelten schnell zur einen kleinen Einnahmequelle.

Wenn Du nach Deutschland kommen willst, kannst Du in diesem Prozess recht viele Sachen noch aus dem Land selbst organisieren – an der Universität sich anmelden, Versicherung abschließen, Bankkonto eröffnen, sogar die Arbeit oder das Praktikum finden. Mit der Wohnung ist es ein bisschen schwieriger. Zirka Hälfte meiner Kunden wollten im Campus wohnen, die zweite Hälfte bevorzugte Apartments oder oder WG. Für diese zweite Hälfte habe ich fast ausschließlich Suchanzeigen aufgegeben.

Obwohl Sprachschüler keine feste Arbeitsverträge hatten, sie kamen nur für kurze Zeit, für 1-2 Monate, deswegen fanden sich die Wohnmöglichkeiten relativ unproblematisch. Zur Engpässen kam es selten. Dieser Sprachschüler Business hat sich leider nicht entwickelt. Vor allem weil diese Sprachschüler meistens im Sommer kamen. Außerdem hatten sie wirklich wenig Geld.

Seit dem Sommer 2011 sieben mal umgezogen. Viermal fand ich die Unterkunft mithilfe von Bekannten und Freunde. Dreimal habe ich für mich die Suchanzeige aufgegeben. Alle diese drei male kamen von Vermietern innerhalb der ersten 1-4 Wochen mehrere Angebote. So war ich nicht gezwungen das erste zu nehmen aus der Angst dass es keine weitere Optionen gäbe.

Ich bin auch wählerisch geworden – wenn Vermieter keine Bilder von der Wohnung im Voraus sendete, wollte in der Regel ich keine Zeit für die Fahrt verlieren. Eine Ausnahme konnte ich machen nur wenn die email sehr nett war oder die Stimme des Vermieters während des Telefonats ausgesprochen freundlich klang. 

Wenn Du die Wohnungsangebote beantwortest, so haben dort außer dich wahrscheinlich 10+ Interessierten gemeldet. Wenn Du dagegen selber inserierst, dann entsteht ein Trichter. Die meisten Vermieter ignorieren dich zwar aber diejenige, die sich melden fanden dich (oder deinen Text und Photos) nett und interessant. 

Wenn Du wissen willst wie ich solche Suchanzeigen schreibe – kannst gerne jegliche Fragen stellen (unten im Komments ohne Registrierung oder per email here).

Bald fasse ich einen “wie schreibt man eine effektive Suchanzeige” zusammen.
Du kannst gerne für meine Newsletter bzw. für die Telegramm-News anmelden. Viel Erfolg in deinen Projekten!

 

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