Jaroslav Plotnikov

IT Freelance in Deutschland – Scheinselbständigkeit

Scheinselbständigkeit – was ist das und wie kannst Du die vermeiden

ENGLISH / RUSSISCH

Als Scheinselbständigkeit wird umgangssprachlich die Vermutung, genauer die nachträgliche Feststellung einer Vertragsbeziehung als abhängiges Beschäftigungsverhältnis anstatt einer Vertragsbeziehung zwischen einem selbständigen Unternehmer und einem Auftraggeber bezeichnet.[1] Scheinselbständigkeit stellt damit im Grundsatz keine Eigenschaft einer Person oder deren allgemeiner Einkommensform dar, sondern bezieht sich auf eine konkrete Tätigkeit für einen spezifischen Auftraggeber, insbesondere darauf, wie dieser Auftraggeber die Beauftragung gestaltet. = https://de.wikipedia.org/wiki/Scheinselbständigkeit


Die Scheinselbstständigkeit ist für viele Selbstständige und Kleinunternehmer ein leidiges Thema. Das liegt vor allem daran, dass es in Deutschland keine harten Kriterien für Scheinselbstständige gibt. Trotzdem sollten sowohl Auftragnehmer als auch Auftraggeber stets genau prüfen, ob das Risiko einer Scheinselbstständigkeit besteht. Der Grund: die finanziellen Konsequenzen sind gravierend. Im schlimmsten Fall müssen Arbeitgeber die Sozialversicherungsbeiträge für die vergangenen 30 Jahre nachzahlen. Wie Sie das Risiko einer Scheinselbstständigkeit abschätzen und was Sie dagegen tun können, lesen Sie in diesem Artikel.

Welche Merkmale deuten auf Scheinselbstständigkeit hin?

Selbstständige, die in keinem abhängigen Arbeitsverhältnis stehen, sind grundsätzlich nicht verpflichtet Kranken-, Renten-, Pflege- und Arbeitslosenversicherungen abzuführen.

Ebenso müssen Selbstständige keine Beiträge an die Sozialversicherung leisten. Da dem deutschen Staat daran gelegen ist, die Steuereinnahmen bzw. Einnahmen in Sozialkassen zu erhöhen, toleriert er keine Scheinselbstständigkeit, wenn der Verdacht auf eine abhängige Beschäftigung vorliegt.

Häufig handelt es sich um einen komplexen Entscheidungsprozess, wenn bewertet wird, ob eine abhängige Beschäftigung oder Selbstständigkeit vorliegt. Sind Sie sich dabei unsicher, kann die Clearingstelle der Deutschen Rentenversicherung Bund bei der finalen Klärung helfen. Kommt die Rentenversicherung Bund auf Sie mit einem Verdacht der Scheinselbstständigkeit zu, müssen Sie den Verdacht ernst nehmen, da bei Falschangaben Nachzahlungen drohen.

Eine Scheinselbstständigkeit liegt vor, wenn eine Person zwar nach außen (z.B. mit einem Werkvertrag) als selbstständiger Unternehmer auftritt, ihre Aufgaben aber wie ein abhängig beschäftigter Arbeitnehmer erfüllt. Anhaltspunkte für Scheinselbstständigkeit sind:

  • Unmittelbare Weisungsbefugnis des Auftraggebers 
  • Feste Arbeitszeiten (z.B. Schichtdienst etc.) 
  • Reporting-Pflichten gegenüber dem Auftraggeber 
  • Die feste Integration in Prozesse und sonstige Infrastruktur des Auftraggebers 
  • Feste Bezüge 
  • Urlaubsanspruch und/oder Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall

Scheinselbstständigkeit vorbeugen: Darauf sollten Selbstständige und Arbeitgeber achten

Um einen Verdacht der Scheinselbstständigkeit zu vermeiden, sollten Sie sicherstellen, dass Sie folgende Konstellationen vermeiden:

  • über längere Zeit nur einen Auftraggeber (soweit auch andere Merkmale auf eine Beschäftigung hindeuten)
  • kein eigener Unternehmensauftritt nach außen (weder Werbung, noch Buchführung)
  • Weisungsgebundenheit gegenüber dem Auftraggeber 
  • Teilnahme an regelmäßigen internen Briefings und Meetings des Auftragsgebers 
  • Eingliederung in den Betrieb des Auftraggebers

Umgekehrt haben Sie nach den Richtlinien der Rentenversicherung ein geringes Risiko für Scheinselbstständigkeit, wenn folgende Bedingungen erfüllt sind:

  • freie Ortswahl und Zeitplanung 
  • freie Honorarverrechnung 
  • eigene Betriebsstätte
  • im Zusammenhang mit der Tätigkeit Beschäftigung eigener Angestellter 
  • Einsatz von Arbeitskraft und Kapital auch unter der Gefahr des Verlustes

https://www.lexware.de/artikel/scheinselbststaendigkeit-was-unternehmer-und-selbststaendige-beachten-sollten/


Meine Empfehlung an jeden Freiberufler lautet: Arbeite niemals exklusiv für
nur einen Kunden.
Zwar kann es projektbedingte Situationen geben, in denen ein zweiter Kunde parallel
nicht mit gleich viel Aufmerksamkeit betreut werden kann. Aber man sollte eine solide,
belastbare Kundenbasis aufbauen. Das hat viele Gründe und Vorteile.

Die Vorteile:
1. Gefahr der Scheinselbstständigkeit sinkt. Die Tatsache, für mehre Kunden tätig zu sein,
erhöht die Chance von der Rentenversicherung als selbstständig tätig angesehen zu
werden. Auch wenn diese damit nicht gänzlich ausgeschlossen werden kann. Schließ-
lich kann man in einem Auftrag selbstständig und in dem zweiten Auftrag scheinselbst-
ständig sein. Beides geht zeitgleich. CHRISTA WEIDNER

 

Glaubt man, sich durch mehrere Auftraggeber davor schützen zu können, unterliegt einem Irrglauben. Jedes einzelne Vertragsverhältnis wird geprüft auf Weisungsgebundenheit, der Möglichkeit den Arbeitsort und die Arbeitszeiten frei auszuwählen und die Möglichkeit, eigene Mitarbeiter einzusetzen, um als Selbständige Tätigkeit eingestuft zu werden.

Im Prinzip kann jedes Auftragsverhältnis für Dienstleistungen bei der Überprüfung durchfallen. Deshalb ist es möglich, zum gleichen Zeitpunkt selbständig und scheinselbständig zu sein. In den Fällen, die ich in meinem Buch „Freelance IT“ beschreibe, handelt es sich um IT-Trainer, die nur wenige Tage eingesetzt waren. Sie haben Trainings für meine Kunden durchgeführt. Dazu haben wir Zeit und Ort vereinbart. Schließlich müssen Teilnehmer und Trainer zum gleichen Zeitpunkt am gleichen Ort sein. Sonst kann das Training nicht stattfinden. Das war für die Rentenversicherung eine Weisung. Es folgten weitere absurde Argumente, die eines deutlich machen: die Rentenversicherung ist verzweifelt auf der Suche nach Beitragszahlern.

Nicht selten bedroht das Urteil Scheinselbständigkeit die Existenz der Betroffenen. Und aus diesem Grunde sollte jeder Selbständige wissen, wie die Rentenversicherung tickt. Der Selbständige hat es selbst in der Hand, sich vor diesem Risiko zu schützen. Tatenlos zusehen und warten, bis das Damoklesschwert trifft, entspricht sicherlich nicht der Mentalität der Selbständigen, welche die Verantwortung für das eigene Handeln und Tun übernehmen. Hierbei ist es wichtig, den Auftraggeber einzubinden, um dessen Unterstützung und Verständnis zu gewinnen.

Fünf Empfehlungen sollten helfen, sich vor der Scheinselbständigkeit zu schützen. Sie sind keine Garantie, aber verbessern die Chancen bei einem möglichen Statusfeststellungsverfahren als Selbständig eingestuft zu werden, ungemein. 

5 Empfehlungen zum Schutz vor Scheinselbständigkeit

1. Statusfeststellungsverfahren

Nein Danke! Auch wenn Steuerberater und Anwälte ihren Mandaten empfehlen, ein Statusfeststellungsverfahren durchzuführen, raten viele Stimmen mittlerweile davon ab. Die Rentenversicherung geht davon aus, dass sowieso nur diejenigen Anträge stellen, welche Gründe haben, sich vor der Scheinselbständigkeit zu fürchten. Das Ergebnis des Statusfeststellungsverfahrens hat schon viele überrascht, leider selten in angenehmer Art und Weise.

2. Bewerben ist nicht gleich Akquise

Gerade im IT-Umfeld bewerben sich Externe auf Anzeigen von Agenturen. Das ist keine Akquise, bei der wir den Bedarf beim Kunden direkt erörtern und unsere Leistung unabhängig vom konkreten Bedarf anbieten. Die vorherrschende Praxis erinnert allzu stark an die für Arbeitnehmer typischen Bewerbungsverfahren. Die Werbetrommel zu rühren und Vertrieb sollten zum Alltag von Selbständigen gehören. Wenn Sie das nicht wollen oder können, dann gibt es immer noch die Möglichkeit, jemanden zu engagieren, der das für den Selbständigen tun kann. 

3. Raus aus der Stundenfalle

Seine Arbeitsleistung in Form von Stunden oder Tagen zu verkaufen hat hohe Ähnlichkeit zum Angestelltendasein und bedeutet eine natürliche Begrenzung. Das sieht die Rentenversicherung gar nicht gerne. Muss das wirklich sein? In der IT-Branche werden diese Dienstleistungen von Agenturen gebenchmarked, also verglichen. Gekauft wird der, der am billigsten ist. Ausgeblendet wird dabei, dass das Arbeitsergebnis einer Stunde sehr unterschiedlich sein kann. Also raus aus dieser Falle der Vergleichbarkeit und gleichzeitig der Rentenversicherung ein Argument nehmen.

4. Seien Sie die Lösung, nicht das Problem

Ein Selbständiger ist oft genug auch Einzelkämpfer. Da ist es verlockend, vor Ort beim Kunden, als Teil des Teams tätig zu werden. Es ist nur auf Zeit. Außerdem bietet es Möglichkeiten, Kontakte zu knüpfen und sich ein Netzwerk zu schaffen – für Folgeaufträge. Doch oft genug, wird der Externe so auch zum Teil des Problems. Dabei sollte er doch die Lösung sein. Professionelle Distanz hilft dabei, Verbindungen und Zusammenhänge zu erkennen. Distanz ist ein wichtiger Faktor, um kreative und unkonventionelle Lösungen zu finden. Lässt sich der Selbständige auf diese Nähe ein, bietet er der Rentenversicherung ein Argument. Denn es fehlt ein weiterer Unterschied zum rentenversicherungspflichtigen Angestellten.

5. Be an Expert

Damit potenzielle Kunden davon erfahren, was der Selbständige Gutes tun kann, sind Veröffentlichungen nötig. Es können Bücher veröffentlicht werden, Fachartikel oder Vorträge auf Fachtagungen gehalten werden. Der Selbständige tritt als Experte in Erscheinung und wird vom Markt und seinen potenziellen Kunden wahrgenommen. Er wird gefunden. Dies wird sich auch in seinem wirtschaftlichen Erfolg widerspiegeln. 

Was Sie sonst noch tun können

Auch, wer für sich selbst nichts ändern möchte, kann etwas tun: Schreiben Sie Ihre Berufs- und Interessenverbände an und fordern Sie deren Unterstützung. Oder unterstützen Sie die Verbände, die für Rechtssicherheit kämpfen, z.B. der VGSD.e.V. Die Wirtschaft braucht Rechtssicherheit, damit wir uns gemeinsam auf den Fortschritt und die Zukunft konzentrieren können.

https://www.starting-up.de/recht/arbeitsrecht/schutz-vor-scheinselbstaendigkeit.html

Ein Experten-Interview zum Thema mit Dr. Andreas Lutz vom VGSD e.V. lesen Sie hier

Die Autorin Christa Weidner ist IT-Trainerin und Coach


 

https://www.e-recht24.de/artikel/arbeitsrecht/189.html

 

Scheinselbstständigkeit – https://www.frankfurt-main.ihk.de/recht/themen/arbeitsrecht/scheinselbstaendigkeit/

 

Scheinselbstständigkeit: Definition, Kriterien, Folgen und Schutz

https://www.fuer-gruender.de/wissen/unternehmen-gruenden/unternehmen-anmelden/scheinselbststaendigkeit/

 

Kriterien: Scheinselbstständigkeit oder selbstständige Tätigkeit?

https://www.haufe.de/personal/entgelt/scheinselbststaendigkeit-wieder-auf-dem-vormarsch/unterschiede-zwischen-selbststaendigkeit-und-beschaeftigung_78_132814.html

und https://www.haufe.de/thema/scheinselbstaendigkeit/ 

 

https://www.zeit.de/karriere/beruf/2014-10/scheinselbststaendigkeit-kriterien-arbeitsrecht

 

Neben der Weisungsbefugnis ist zudem die Eingebundenheit in den Betrieb ein Kriterium für Scheinselbstständigkeit. Auch wenn der Mitarbeiter eine E-Mail-Adresse oder Visitenkarte der Firma nutzt, deutet das auf Eingliederung in den Betrieb hin. “Selbstständige sollten sich deshalb ganz klar als Externe kennzeichnen”, empfiehlt Michael Schreier, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Hamburg. = https://www.deutsche-handwerks-zeitung.de/scheinselbststaendigkeit-erkennen-und-vermeiden/150/3098/299483

 

https://www.computerwoche.de/a/was-die-neuen-regeln-im-aueg-und-bgb-wirklich-bedeuten,3329386

 

Sozialversicherungspflicht: IT-Freiberufler gewinnt Streitfall

https://www.gulp.de/knowledge-base/recht-und-steuern/sozialversicherungspflicht-it-freiberufler-gewinnt-streitfall.html


© 2018 Jaroslav Plotnikov ( Все статьи )  

© 2018 Jaroslav Plotnikov ( All articles )

Поделиться: jaroslavplotnikov.com/articles/fragebogen

Copy & share: jaroslavplotnikov.com/letter

Your thoughts? Please leave a reply:

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *