Jaroslav Plotnikov

Der Mönch und die Münze

 

                            © Picture www.mahaweli.com

 

Es passierte in alten Zeiten. Einmal ging ein Mönch durch den Wald. Er hatte schlechte Laune – vorige Woche zerbrach seine Lieblingsschale, genauer gesagt seine einzige. Wißt ihr was die Schale für einen Mönch bedeutet? Ohne geht gar nichts.

Ausgerechnet heute war der Jahrmarkt im Dorf. Welche schöne Schalen wurden in Töpferreihe ausgestellt! Versunken in traurige Gedanken, humpelte der Mönch den Waldpfad entlang.

Plötzlich glitzerte etwas unter seinen Füßen. Er senkte den Blick und rasch machte die Augen zu… Das kann nicht sein! Eine Münze! Eine silberne Münze, die glänzt und strahlt! Woher kommt sie überhaupt? Rätseln wollte er nicht. Er kehrte um, zog seine Robe etwas hoch und eilte in Galopp zurück. Vor seinen Augen schwamm die schöne Schale, die er lange Zeit anschaute, ohne kaufen zu können. Jetzt hat er genug Geld für die Schale und für den leckeren Reis. Es bleibt sicherlich auch für Süßigkeiten genug übrig!

Während er über den Bach hüpfte ließ er unwillkürlich die Münze fallen. Gleich verschwand sie im Wasser. Vergeblich suchte der Arme seinen wertvollen Fund. Je mehr wühlte er durch den schlickigen Boden, desto mehr Schlammwollken erhoben sich im kalten Wasser.

Verzweifelt und völlig erschöpft kriechte der Mönch aufs Ufer. Er fluchte über seinen Unglück und fiel ins trockene Gras. Die Sonne streichelte ihn mit warmen Strahlen, jedoch war das Wasser um diese Jahreszeit eisig. Durchgefroren und tiefst unglücklich, wischte er die Tränen und versank in unruhigen Schlaf.

Er wurde geweckt durch freudiges Vogelgesang und Jahrmarktgeräusche in der Ferne. Sonnenstrahlen trockneten seine Kleidung und er fühlte sich himmlisch leicht. In Gedanken nahm er Abschied von der schönen Schale mit Süßigkeiten und erhob sich um seinen langen Weg fortzusetzen.

Inzwischen waren die Schlammwolken durch die Strömung vertrieben. Die Münze glänzte auf einer seichten Stelle. Langsam hob er seinen Schatz und begab sich zurück ins Dorf.

 

Your thoughts? Please leave a reply:

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *