Jaroslav Plotnikov

IT Freelance in Deutschland – 3 wichtigsten Steuerarten – #3 GEWERBESTEUER”

The last of 3 taxes you need to know as a sole proprietor / trader

Picture: IHK München

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Zuerst drei Nachrichten: eine schlechte, eine gute und etine sehr gute. Die schlechte: ab €2041 monatlichen Gewinns zahlst Du als Gewerbetreibende / Unternehmer Gewerbesteuer. Und jetzt die gute Nachricht: für Einzelunternehmer (“1-Mann Firma”) und Personengesellschaften gibt es eine Minderung (genauer s. unten). Und jetzt die beste Nachricht: Freiberufler sind von dieser Steuer befreit!

 

Gewerbesteuer

Die Gewerbesteuer landet in Kassen von den Städten und Gemeinden. Dadurch werden die städtischen Infrastruktur finanziert. Daher muss jeder Gewerbetreibende (Unternehmer) Gewerbesteuer zahlen. 

Freiberufler jedoch nutzen die Infrastruktur kaum oder gar nicht. Deswegen sind die Freiberufler von Gewerbesteuer befreit. 

Etwas detailliertere Erklärung von Unterschieden und Gemeinsamkeiten zwischen Unternehmer – Freiberufler gibt es hier:  Warum gibt es die Abgrenzung Gewerbe – freie Berufe?

 

Wenn Du ein Einzelunternehmen  (“1-Mann-Firma”) hast oder mit Partnern in einer Personengesellschaft  (z.B. GbR, OHG, KG) tätig bist, gibt es ein Freibetrag von €24.500. Freibetrag bedeutet dass Du als gewerbetreibender Freelancer nur dann Gewerbesteuer zahlst, wenn dein Jahresgewinn größer als €24.500 wird.

In anderen Worten: Wenn Du dein IT-Freelance als Einzelunternehmer alleine oder mit anderen Personen betreibst, wird deine Gewerbesteuer niedriger sein. 

 

Wie viel Gewerbesteuer muss ich zahlen?

Wenn Du ganz am Anfang den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung fürs Finanzamt ausfüllst, in Zeilen 110-115 schätzt Du deine voraussichtliche Einkünfte ein. Das Finanzamt meldet sich zurück und gibt Dir Bescheid über die Gewerbesteuer. In diesem Bescheid steht unter Allem die Höhe deiner Gewerbesteuer. Diese Summe kannst grob selbst ausrechnen. Diese Ausrechnung machst Du in 3 Schritten. 

 

Gewerbesteuer berechnen – Beispiel für Berlin

Schritt 1 von 3

Zuerst ermittelt man seinen zu erwartenden Gewinn. Dafür schäzt man sein Einkommen und seine Betriebsausgaben* ein.  Der Gewinn ergibt sich nachdem vom Einkommen die Betriebsausgaben abgezogen werden. Vom diesen Gewinn zieht man den Freibetrag von €24.500 ab. In unserem Beispiel beträgt das Einkommen €80.000 und die Betriebsausgaben €30.000. Daraus ergibt sich der Gewinn von €50.000.

Einkommen 80.000 Euro
Ausgaben 30.000 Euro
Gewinn 50.000 Euro
Freibetrag 24.500 Euro
Zu versteuern 25.500 Euro

Von diesem Betrag €25.500 werden Gewerbesteuer ausgerechnet.

 

Schritt 2 von 3

Man muss den Steuermessbetrag herausfinden. Dafür braucht man die sog. Steuermesszahl (3,5%). Diese Steuermesszahl von 3,5% ist bundesweit gleich. Die wird mit zu versteuernden Betrag multipliziert.

25.500 Euro x 0,035 = 892,50 Euro

Dein Steuermessbetrag beträgt also 892,50 Euro.

 

Schritt 3 von 3

 Um die Berechnung abzuschließen, braucht man den. sog. Gewerbesteuerhebesatz (auch genannt Hebesatz).  Der ist in Deutschland regional sehr unterschiedlich. Von der Kommune zu Kommune unterscheidet sich der Hebesatz zwischen 200% und 490%. In Berlin beträgt der Hebesatz seit 1999 unverändert 410 %.

892,50 Euro x 4,1 = 3.659,25 Euro

Um die Pille weniger bitter zu machen, eine gute Nachricht. Höhstwahrscheinlich bist Du als Einzelunternehmer oder in einer Personengesellschaften selbständig arbeiten willst. In diesem Fall mindert sich der Hebesatz von 410% bis auf 380%.

Deswegen wird die vorherige Berechnung korrigiert:

892,50 Euro x 3,8 = 3.391,50 Euro

Deine Minderung beträgt also €3.391,50 Euro. Folglich musst Du ans Finanzamt €267,75 weniger zahlen. (3.659,25 – 3.391,50 = 267,75 Euro)

 

Du sollst keine Sorge haben, die Berechnungen falsch zu machen. Den Betrag wird letztendlich im Finanzamt ausgerechnet. Wenn von Dir bzw. von deinem Steuerberater ausgerechneter Betrag zu niedrig ist, kriegst Du eine Aufforderung zur Nachzahlung. Wenn der Betrag zu hoch ist, kriegst Du zuviel bezahltes Geld vom Finanzamt zurück.

 

Wie kann man sich von Gewerbesteuer komplett befreien?

Sowohl Freiberufler als auch Einzelunternehmer können für den gleichen Auftraggeber absolut gleiche Arbeit erledigen. Die Unterschied ist rein steuerlich – UnternehmerEinzelunternehmer zahlen zusätzlich die Gewerbesteuer.

Um sich von Gewerbesteuer zu befreien, muss man vom Finanzamt als Freiberufler anerkannt werden.

Unterschiede zwischen verscheidenen Arten von Selbständigkeit gibt es im folgenden Artikel erklärt: IT Freelance in Germany: FREELANCER vs TRADER

 

Fazit: Wenn Du vom Finanzamt aicht als freiberufler sondern als Unternehmer eingestuft bist, musst Du in unserem Beispiel das Gewerbesteuer in Höhe von €3.391,50 zahlen. Wenn Du diese €3.391,50 Gewerbesteuer nicht zahlen möchtest, vielleicht lohnt es sich doch einen guten Fachanwalt** zu engagieren? Ein guter Anwalt könnte das Finanzamt überzeugen Dich als Freiberufler zu klassifizieren.

 

Empfolhlenes Artikel: aus der Geschichte meines eigenen Firma: Wie ich Steuer zahlte ohne das Steuersystem zu verstehen.


* – Ausgaben können einmalig (z.B. Kauf eines Notebooks) und laufend sein (z.B. Miete des Arbeitsplatzes, Internet, Hosting etc.).
** – Für einen guten Anwalt kannst Du mir eine Email schicken. Vielleicht werde ich Dir helfen können.

 Quellen:  Berlin.de / DebitoorIHK Frankfurt am Main

 © 2018 Jaroslav Plotnikov ( Artikeln auf Deutsch über IT-Selbständigkeit )