Jaroslav Plotnikov

IT Freelance in Deutschland – FAQ

Du hast keinen deutschen Pass? Dann dieses FAQ rund um IT-Freelance für dich

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INDEX

– Wie fange ich mein Freelance in Deutschland an?

– Was kosten die Formalitäten um meine Selbständigkeit anzumelden?

– Warum muss ich Arbeitgeber, Krankenkasse und die Ausländerbehörde benachrichtigen?

– Wie registriere ich meine Einnahmen und Ausgaben?    

– Muss ich unbedingt ein Konzept schreiben?

– Brauche ich unbedingt ein Geschäftskonto?

– Was sind die Unterschiede zwischen Freelancer / Freiberufler / Gewerbe / Einzelunternehmer / Kleinunternehmer?

– Wer klassifiziert IT-Freelancer als Freiberufler oder als Unternehmer?

– Welches Status ist besser: Freiberufler oder Unternehmer?

– Was ist die Unterschied Gewerbe-Unternehmen, Gewerbetreibender-Unternehmer?

– Was ist die Unterschied zwischen einem Unternehmer und Kleinunternehmer?

– Was ist die Kleinunternehmerregelung?

– Scheinselbständigkeit – was ist das?

– Welche Steuer muss ein (ausländischer) IT-Freelancer in Deutschland zahlen?

– Muss ein IT-Freelancer einen Steuerberater und/oder Buchhalter haben?

– Warum soll ich diese 10-40% zur Seite legen?

– Bezahlte Steuer zurückbekommen – wie geht das?

– Woher weiss ich wie viel Geld als Steuervorauszahlung ans Finanzamt zu schicken?

– Kann ich für ausländische Kunden (mit dem Sitz ausserhalb Deutschlands) arbeiten?

– Erlaubt die Blue Card EU selbständige bzw. gewerbliche Tätigkeit?

– Wo finde ich das Formular für die Steuererklärung 

– Wann soll ich die Steuererklärung spätestens abgeben?

– Einzelunternehmer / Freiberufler – ist eine natürliche Person oder juristische Person?

 


Wie fange ich mein Freelance in Deutschland an?

– Lese den Artikel 3 erste schritte 


Was kosten die Formalitäten um meine Selbständigkeit anzumelden?

– Wenn Du im Finanzamt als Freiberufler eingestuft wirst, deine Formalitäten kosten 0 Euro. Wenn Du als Unternehmer / Gewerbetreibender eingestuft wirst, belaufen sich die Anmeldungsgebühren auf 15 Euro (online Anmeldung=?=) bis auf maximal 31 Euro (unmittelbar in einem Gewerbeamt bzw. Ordnungsamt).


Warum muss ich Arbeitgeber, Krankenkasse und die Ausländerbehörde benachrichtigen?

– Deinen Arbeitgeber musst Du nur dann über deine beabsichtigte Selbständigkeit informieren, wenn dies ausdrücklich in deinem Arbeitsvertrag steht. Also, lese deinen Arbeitsvertrag. Wenn dort nichts darüber steht, ist es dir übelassen, ob Du den Arbeitgeber in kenntnis setzt.

Deine Versicherung über die beabsichtigte Selbständigkeit informieren, ist einfach vernünftig. Sobald Du viel selbständig arbeitest, die Monatsbeträge werden sich deutlich ändern (rate mal ob sie höher oder niedriger werden 🙂 ). Früher oder später deine Versicherung kriegt unbedingt mit, dass Du selbständig arbeitest. Es ist durchaus möglich, dass Du sehr viel nachzahlen musst. Auch wenn Du in vorigen Monaten keinen Arztbesuch hattest. Ist es vielleicht doch vernünftig, frühzeitig rauszukriegen, wie stark deine Monatliche Zahlungen sich ändern lassen?

Die Ausländerbehörde musst Du über deine beabsichtigte Selbständigkeit rechtzeitig informieren weil als vollzeit Freelancer es einer anderen Visumkategorie bedarf: Residence permit for the purpose of freelance or self-employment (Aufenthaltserlaubnis zur selbstständigen oder freiberuflichen Tätigkeit). Wenn Du eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis** hast, z.B. sog. Niederlassungserlaubnis, musst Du die Ausländerbehörde nicht informieren.


Wie registriere ich meine Einnahmen und Ausgaben?     

– Um die Einnahmen zu registrieren müssen deine sämtlichen Rechnungen mit nacheinanderfolgenden Rechnungsnummern in einem sicheren Ort gespeichert sein. Das gleiche gilt auch für Belege als Beweis für deine Ausgaben. Beides 10 Jahre aufbewahren. 


Brauche ich unbedingt ein Geschäftskonto?

– Geschäftliches Konto kostet mehr Geld als normales Girokonto. Daher sind Banken interessiert dass Du ein Geschäftskonto eröffnest. Gleichzeitig will eine Bank dich als Dauerkunde zu gewinnen. Daher drücken die meisten Banken das Auge zu, wenn Du mit dem normalen Girokonto startest. Im zweiten Geschäftsjahr willst Du vielleicht selbst ins Geschäftskonto zu wechseln. Schließlich ist es nicht allzu teuer und es gibt auch gute Gründe dazu, z.B. Du hättest Kreditkartenzahlungen empfangen können.


Muss ich unbedingt ein Konzept schreiben?

– Businesplan und Finanzplan brauchst Du in zwei Fällen: a) um ein Visum / Aufenthaltstitel** zu bekommen; b) um eine Finanzierung deines Unternehmens zu bekommen.
Merke, dass für Freiberufler das Firmenprofil, der Businessplan, das Geschäftskonzept, der Kapitalbedarfsplan nicht erforderlich sind. S. auch den Artikel: IT Freelance in Germany: FREELANCER vs TRADER


Was sind die Unterschiede zwischen Freelancer / Freiberufler / Gewerbe / Einzelunternehmer / Kleinunternehmer?

– Unterschied liegt nur in der Besteuerung. Es gibt hier zwei grosse Kategorien: а) Freelancer als “Freiberufler” und b) Entrepreneuer Einzelunternehmer (Unternehmer). Der Begriff Einzelunternehmer bezieht sich auf die Kategorie b) und bedeutet etwa Solo Entrepreneuer. Gewerbe übersetzt man wörtlich als “trade, business”. Gewerbetreibender ist ein Synonym des Wortes Unternehmer, aus dem Deutschen bedeutet es “jemand, der Geschäft macht”. Du kannst dein Freelance in beiden Kategorien ausüben, sowohl als Freiberufler als auch als Einzelunternehmer. S. auch den Artikel: IT Freelance in Germany: FREELANCER vs TRADER


Wer entscheidet ob ich als IT-Freelancer als Freiberufler oder als Unternehemer meine Steuer zahlen muss?

– Nachdem Du den Fragebogen zur Steuerlichen Erfassung an Finanzamt (Finanzamt) eingereicht hast, entscheiden dortige Beamten, in welche Kategorie dich anzuordnen: Freiberufler oder Einzelunternehmer. Wenn Du mit dieser Entscheidung nicht einverstanden bist, kannst Du einen Widerruf anreichen und damit versuchen die Entscheidung zu ändern


Welches Status ist besser: Freiberufler oder Kleinunternehmer?

– Nach meiner persönlichen Meinung, Freiberufler ist besser, zumindest in der IT-Branche. Weil: 


Was ist die Unterschied Gewerbe-Unternehmen, Gewerbetreibender-Unternehmer?

– Für dich als Freelancer in IT-Branche ist die Unterschied unbedeutsam. Für Freelancer / Einzelunternehmer diese Begriffe sind Synonyme.


Was ist die Unterschied zwischen einem Unternehmer und Kleinunternehmer?

– Die Hauptunterschied: weniger Steuer, vereinfachte Buchführung. Übrigens ein Freiberufler kann auch als Kleinunternehmer besteuert werden. S. auch den Artikel: Who is a Small Business Owner (Kleinunternehmer)?


Was ist die Kleinunternehmerregelung?

Kleinunternehmerregelung – ist die vereinfachte Form der Besteuerung für Unternehmer mit niedrigem Umsatz. Basiert auf dem § 19 UStG). S. auch den Artikel: Who is a Small Business Owner (Kleinunternehmer)?


Scheinselbständigkeit – was ist das?

Als Beispiel die folgende Situation: Du als Freelancer hast nur einen Auftraggeber. Deine selbständige Tätigkeit ähnelt der versicherungspflichtigen, also normalen Arbeitsverhältnis: Arbeit im Büro (kein remote work), in geregelten Tagen und Uhrzeiten. In dem Fall kann die Scheinselbständigkeit unterstellt werden. Was tun dagegen? Habe mehr als einen Arbeitgeber oder arbeite für einen Vermittler, der dir mehrere Auftraggeber vermittelt.

 


Welche Steuer muss ein (ausländischer) IT-Freelancer in Deutschland zahlen?

– Ein ausländuscher Selbständiger zahlt absolut die gleichen Steuer wie ein deutscher Selbständiger: #1 VAT (Umsatzsteuer / Mehrwertsteuer); #2 income tax (Einkommensteuer); #3 trade tax (Gewerbesteuer). S. auch den Artikel: IT Freelance in Germany: 3 types of tax that everyone should know


Muss ein IT-Freelancer einen Steuerberater und/oder Buchhalter haben?

– Es gibt kein Gesetz der einem Selbständigen Steuerberater bzw. Buchhalter verschreibt. Die ganze Buchhaltung und Besteuerung darfst Du alleine erledigen. Allerdings sparst Du viel Mühe, Stress und Zeit, sobald Du professionelle Hilfe holst. Eine tolle Sache dabei – man kann den Steuerberater und das Finanzamt “direkt verbinden” – wenn die Beamten im Finanzamt Fragen haben, werden Sie direkt deinen Steuerberater anschreiben und alles mit ihm klären.


 Warum soll ich diese 30-40% zur Seite legen?

Wenn Du Regelbesteuerung unterliegst und mehr als €1000 in einem durchschnittlichen Monat verdienst, ist es durchaus möglich, dass Finanzamt im zweiten oder drittem Geschäftsjahr einiges an Steuer auch im Voraus bekommen will. Diese Summe müsstest Du sowieso früher oder später zahlen. Auf einmal gesehen kann sie dich jedoch überraschen. Wenn Du 35-40% deines Umsatzes in ein Extra-Konto oder ein Unterkonto deponierst, bist Du 100%-ig abgesichert. Dank dieses Unterkonto hast Du immer genügend Geldvorrat fürs Finanzamt und um deinen Steuerberater zu bezahlen. Als Kleinunternehmer brauchst Du nicht unbedingt so ein Unterkonto, denn ein Kleinunternehmer zahlt sehr wenig Steuer.

 

 

Woher weiss ich wie viel Geld als Steuervorauszahlung ans Finanzamt zu schicken?

– Als Kleinunternehmer brauchst Du keine Sorgen zu machen. Wenn Du auf Nummer Sicher gehen willst, lege von jeder Kundenzahlung 5% beiseite, z. B. auf ein Unterkonto

Wenn Du “normal” besteuert bist, d.h. in deinen Rechnungen 19% stehen, dann lege 30-40% von jeder Kundenzahlung beiseite. Das gibt dir die absolute Sicherheit, dass Du deine Steuer und den Steuerberater immer bezahlen kannst. Und es bleibt immer Geld übrig!

 


Bezahlte Steuer zurückbekommen – wie geht das?

Wenn Du der Kleinunternehmer bist, kriegst Du keine Steuer zurück. Denn Du zahlst (fast) keine Steuer. Allerdings, kannst Du einige Geldausgaben für deine geschäftliche Tätigkeit (z.B. ein Laptop) abschreiben lassen. Bespreche dies mit einem Steuerberater.

Andere Situation ist bei der Regelbesteuerung. Wenn Du “normal” besteuert bist, d.h. in deinen Rechnungen 19% stehen, dann kriegst Du vom Staat von dir bezahlte Mehrwertsteuer für alle deine geschäftlichen Ausgaben zurück. S. auch den Artikel IT-Freelance in Germany – 3 major taxes – #1 VAT


Kann ein IT-Freelancer für ausländische Kunden (mit dem Sitz ausserhalb Deutschlands) arbeiten?

– Ja, Du darfst für deine Kunden weltweit arbeiten und Rechnungen ausstellen. Auch wenn Du nicht in Deutschland bist. Die Voraussetzung: dein Business / Freelance ist in Deutschland angemeldet.

Du kannst sogar konkurrenzfähige Preise anbieten, – denn für die Kunden ausserhalb Deutschland werden 19% nicht erhoben, man nennt das “Brutto gleich netto”.


Erlaubt die Blue Card EU selbständige bzw. gewerbliche Tätigkeit?

– In der Regel NEIN. Die Praxis zeigt jedoch, dass die Ausnahmen häufig der Fall sind: die meisten Bluecard Besitzer können selbständige Tätigkeit nebenberuflich ausüben. Dabei ist auf zwei Dinge zu achten. Also, wenn auf deiner Bluecard keine klare Erlaubnis zur selbständigen Tätigkeit steht, beantrage solche bei deiner zuständiger Ausländerbehörde.

Dabei solltest Du zwei Dinge beachten. 1) In deinem Arbeitsvertrag muss kein Verbot für eine weitere Beschäftigung stehen; 2) Nebenberuflich bedeutet “weniger als 15 Stunden pro Woche”. Und die Verdienste aus der nebenberuflichen Tätigkeit sollen logischerweise deine Verdienste aus der hauptberuflichen Tätigkeit nicht übersteigen.


Wo finde ich das Formular für die Steuererklärung 

– Wo finde ich das Formular für die Steuererklärung 


Wo finde ich das Formular für die Steuererklärung 

– Wann soll ich die Steuererklärung spätestens abgeben?


Einzelunternehmer / Freiberufler – ist eine natürliche Person oder juristische Person?

– Einzelunternehmer / Freiberufler – ist eine natürliche Person oder juristische Person?

 

 


** – streng gesagt “das Visum” ist schicht ein Erlaubnis ins Land einzureisen. Deutsche Botschaft in Moskau auf seiner Webseite erklärt, dass bei dem Aufenthalt länger als 3 Monaten handelt es sich nicht ums “Visum” sondern um eine Aufenthaltserlaubnis. Aufenthaltserlaubnis (Aufenthaltserlaubnis oder anders genannt Aufenthaltstitel) gibt es befristet und unbefristet.

 

© 2018 Jaroslav Plotnikov ( All articles )

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