Jaroslav Plotnikov

Selbständigkeit im IT-Bereich – 3 erste Schritte

Du bist nach Deutschland gekommen, arbeitest in IT-Branche und möchtest die Selbständigkeit (Freelance) ausprobieren. Es fehlt noch die Klarheit – wie starte ich? Dieses Artikel hilft Dir die ersten Schritte zu tun

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Dieser Artikel richtet sich auf die ausländische Programmierer (sowohl EU als auch restliche Staaten), die in Deutschland in der IT-Branche erwerbstätig sind (vor allem als Bluecard -Fachkräfte) und eine selbständige Tätigkeit beabsichtigen

Für bessere Überschaubarkeit wurden Informationen absichtlich klar und vereinfacht dargestellt. Falls deine Situation abweicht oder Du auf irgendeiner Etappe stehenbleibst, schreibe deine Frage unten in Kommentaren oder in einer separaten Mail an den Autor.

Es wird Zeit, deine Gedanken in die Taten umzusetzen. Hier schranken wir uns auf die drei allerersten Schritte die den Prozess in die Bewegung bringen.

Schritt 1 

Studiere deinen Arbeitsvertrag. Gibt es dort eine leicht erkennbare Regulierung über nebenberufliche Tätigkeit. Falls die exklusive Arbeitstätigkeit für deinen Arbeitgeber vorgesehen, musst Du mit ihm die Rücksprache halten. Frage den Arbeitgeber ob Du externe Projekte aufnehmen kannst. Argumentiere, dass es deiner fachlichen Entwicklung dient.

Falls im Vertrag keine Einschränkungen für externe Beschäftigungen gibt, kannst Du trotzdem mit deinem Arbeitgeber Rücksprache halten. Argumentiere, dass Du deine Fähigkeiten in der “Arbeit aus der Ferne” (Remote) ausarbeiten willst. Vielleicht kann der Arbeitgeber dir einige Projekte auf Honorarbasis anbieten oder dich sogar weiter empfehlen.

Schritt 2

Kontaktiere das Finanzamt. Als Freelancer kannst Du sowohl Gewerbetreibende als auch Freiberufler sein. Freiberufler Status wäre bevorzugt vor allem wegen kleineren und einfacheren Besteuerung. Die Entscheidung wird allerdings vom Finanzamt getroffen. 

Fasse ein Schreiben zusammen und emaile es an den Finanzamt in deinem Meldebezirk. Eine Musteremail zu diesem Anliegen gibt’s hier: Der Knigge von Korrespondenz mit deutschen Beamten – 1 – Anfrage ans Finanzamt 

Finanzamt meldet sich normalerweise innerhalb von zwei Wochen. Höchstwahrscheinlich bekommst Du eine der folgenden Antworten:

a) Ihre Tätigkeit unterliegt der Gewerberegulierung. Stellen Sie den Antrag bei dem zuständigen Ordnungsamt.
ODER:
b) Sie müssen den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung ausfüllen, unterschreiben und ans Finanzamt in Ihrem Bezirk per Post senden

In meinem Fall hat es insgesamt neun Tage gedauert bis das Finanzamt sich zurückgemeldet hast (s. das Schirmbild). Die Antwort entspricht der obengenannten Option “b)”.

 


Sie müssen beim Finanzamt Ihre Selbständigkeit anzeigen und den Vordruck “Fragebogen zu steuerlichen Erfassung” ausfüllen und unterschreiben.

Evtl. müssen Sie das Gewerbe beim Gewerbeamt anmelden. Eine abschließende Aufzählung, ob es sich um eine freiberufliche Tätigkeit handelt, finden Sie im § 18 EStG.
Die Kleinunternehmer-Regelung nach § 19 UStG setzt nur voraus, dass Ihre Umsätze im Kalenderjahr 17.500 Euro nicht überschreitet. Es ist egal, ob Sie freiberuflich oder gewerblich Tätig sind.

Der nächste Schritt ist also den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung ausfüllen, unterschreiben und ans Finanzamt in Ihrem Bezirk per Post senden. 

Wie das geht erfährst Du in diesem Artikel.

b) Hier ist der Fragebogen zur steuerlichen Erfassung . Bitte ausfüllen, unterschreiben und zurücksenden. 

Nach der Überprüfung des ausgefüllten Fragebogens kommt zu dir (auf dem postalischen Weg) eine andere Steuernummer. Diese “zweite” Steuernummer ist für deine selbständige Tätigkeit vorgesehen. Die muß auf jeder deinen Rechnung stehen.

Schritt 3

Nach dem Schritt 2 kontaktiere deine Versicherungen. Zwar gibt es in Deutschland über die selbständige Nebentätigkeit klare Regulierungen, trotzdem empfiehlt es sich der Krankenkasse und der Rentenkasse deine Absichten mitzuteilen. Informiere die darüber, dass Du selbständige nebenberufliche Tätigkeit beabsichtigst, die schätzungsweise maximal 15 Arbeitsstunden pro Woche umfasst und nicht mehr Einnahmen als deine jetzige reguläre sozialversicherungspflichtige Beschäftigung erbringt

Empfehlung: 
Mache den gesamten Schriftverkehr ausschließlich per Email. Telefonate hinterlassen keine “Spuren”. Der Schriftverkehr (auch elektronisch) könnte dir dir viel Stress, Zeit und Geld ersparen. Eine Bestätigung per Email hat zwar keine richtige Rechtskraft ist aber sehr starke Hilfsmittel, falls Du dich in der Zukunft in eine prekäre Situation gerätst.

Was tun als Nächstes?

Du kannst das Prozess (s. dieses Artikel: ) beschleunigen, indem Du neben deinem Bluecard Schrirmbild auch den Ausgefüllten Fragebogen anhängst. Fragebogen Ausfüllhinweise gibt es in diesem Artikel:

© 2018 Jaroslav Plotnikov ( all articles )

Diese Artikeln könnten dir weiterhelfen:

  • Deutsche Grundbegriffe für einen ausländischen Freelancer
  • Ausfüllhinweise zum Fragebogen zur steuerlichen Erfassung